Sonntag, 09. August 2026: Verwaltung muss funktionieren. Punkt.
Letzte Ferienwoche. Vorletztes Handlungsfeld meines #Zukunftsplan2034 – für die Verwaltungsspitze vielleicht das Wichtigste überhaupt: Kommunalverwaltung & Finanzen.
Denn über viele politische Themen kann man unterschiedlicher Meinung sein. Bei einer Sache sollte es wenig Diskussion geben: Eine Stadtverwaltung muss funktionieren. Verlässlich, erreichbar und nachvollziehbar. Das ist keine Nebenaufgabe einer Oberbürgermeisterin. Es ist eine ihrer Kernaufgaben.
Die Diskussion um die kurzfristige Schließung unserer Kfz-Zulassungsstelle in der vergangenen Woche hat sehr konkret gezeigt, was es bedeutet, wenn eine zentrale Dienstleistung plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht. Über die Ursachen habe ich bewusst nicht spekuliert. Krankheit und unvorhersehbare Ausfälle können jede Organisation treffen. Aber mein Maßstab bleibt – eine zentrale Verwaltungsleistung darf nicht vollständig ausfallen. Dafür braucht es Vertretungsregelungen, belastbare Prozesse, Digitalisierung und eine Organisation, die auch in schwierigen Situationen handlungsfähig bleibt.
Genau darum geht es im sechsten Handlungsfeld meines Zukunftsplans – Kommunalverwaltung und Finanzen.
Meine Vorstellung lässt sich ziemlich einfach zusammenfassen:
a) Eine Verwaltung, die messbar gut funktioniert. Digital. Serviceorientiert. Verlässlich. Und ein Konzern Stadt, der gemeinsam gesteuert wird.
b) Dazu gehört für mich zunächst eine klare Verantwortungsstruktur an der Verwaltungsspitze. Ich sehe künftig drei fachlich deutlich profilierte Dezernate:
– Recht, Sicherheit und Ordnung. Hier gehören für mich insbesondere Ordnungsverwaltung, Feuerwehr, Bevölkerungsschutz und die rechtlichen Aufgaben zusammen. Sicherheit und Resilienz einer Stadt brauchen eine klare organisatorische Verantwortung.
– Bauen und Stadtentwicklung. Planen, Genehmigen, Wohnen, Verkehr und die bauliche Entwicklung unserer Stadt müssen aus einer starken Bauverwaltung heraus gesteuert werden.
– Soziales, Jugend und Bildung. Die sozialen Aufgaben einer Stadt gehören zusammen gedacht – von Jugend und Familie über Teilhabe bis zu Bildung und sozialer Infrastruktur.
– Und an der Spitze? Dort sehe ich bewusst zentrale Steuerungsaufgaben als Chefsache: Finanzen, Personal und Organisation, Digitalisierung sowie die Steuerung unserer städtischen Beteiligungen.
Denn die Oberbürgermeisterin ist nicht nur Repräsentantin der Stadt. Sie ist Verwaltungschefin. Führung bedeutet für mich nicht, jeden Vorgang selbst zu entscheiden. Führung bedeutet, Zuständigkeiten klar zu organisieren, Ziele vorzugeben und regelmäßig zu überprüfen, ob sie erreicht werden.
Strukturfragen sind aber nur der Rahmen einer notwendigen Veränderung – für mich darf es nur einen Eingang zur Verwaltung geben, statt Zuständigkeitslotterie. Noch immer erleben Bürgerinnen und Bürger Verwaltung häufig aus ihrer internen Organisation heraus:
– Welches Amt ist zuständig?
– Welche Telefonnummer brauche ich?
– Wo muss mein Antrag hin?
– Muss ich noch einmal persönlich erscheinen?
Ich drehe die Perspektive um. Nicht die Bürgerinnen und Bürger müssen unsere Verwaltung verstehen. Unsere Verwaltung muss die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger verstehen. Deshalb soll es einen echten One-Stop-Bürgerservice geben: persönlich, telefonisch über die Behördennummer 115 und digital.
Dazu entwickeln wir ein Frontoffice-/Backoffice-Prinzip: Im Frontoffice werden möglichst viele Standardanliegen direkt erledigt; komplexere Fälle gehen intern an die zuständigen Fachbereiche weiter. Das Bürgerbüro wird damit zum „Tor zur Verwaltung“. Für Bürgerinnen und Bürger zählt am Ende schließlich nicht unser Organigramm. Es zählt, ob ihr Anliegen erledigt wird.
Viele Kommunen arbeiten längst nach einem vergleichbaren Modell. Unmittelbar nach Dienstbeginn werden wir ein Modell für Wilhelmshaven entwickeln und von funktionierenden Systemen anderer Kommunen lernen. Dabei kann ich mir eine zentrale, gut erreichbare Serviceanlaufstelle in unserer Innenstadt sehr gut vorstellen.
Im nächsten Schritt müssen Bearbeitungszeiten messbar werden – entsprechend wäre eine zweite Veränderung für mich zentral – wir müssen weg von Formulierungen wie „Der Vorgang befindet sich in Bearbeitung.“ Ich möchte wissen: Seit wann? Bei wem? Wie lange dauert es normalerweise? Und wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen? Deshalb enthält mein Zukunftsplan eine Servicegarantie. Für zentrale Dienstleistungen sollen Bearbeitungs- und Reaktionszeiten definiert werden. Bei Verzögerungen muss es einen Eskalationsweg geben. Und wir veröffentlichen Kennzahlen zu Wartezeiten, Bearbeitungszeiten und Erledigungsquoten.
Nicht um Mitarbeitende unter Druck zu setzen. Im Gegenteil. Klare Prozesse, vernünftige Digitalisierung und transparente Zuständigkeiten entlasten auch diejenigen, die täglich in unserer Verwaltung arbeiten. Denn schlechte Organisation darf nicht auf dem Rücken engagierter Beschäftigter ausgetragen werden.
Der dritte Pfeiler ist für mich „WHV meldet“ – melden, verfolgen, erledigen, denn wir brauchen endlich einen modernen Mängelmelder. Ob Schlagloch. Defekte Straßenlaterne. Illegale Müllablagerung. Beschädigtes Straßenschild. Heute darf eine Meldung nicht irgendwo in einem Postfach verschwinden.
Mit „WHV meldet“ bekommt jedes Anliegen eine Ticketnummer. Der Bearbeitungsstand ist nachvollziehbar. Zuständigkeiten werden intern zugewiesen. Bürgerinnen und Bürger erhalten Rückmeldungen über Veränderungen des Status. Das Prinzip ist simpel – Dein Hinweis. Unsere Aufgabe. Melden. Nachverfolgen. Erledigen. Und wenn sich Meldungen an bestimmten Orten häufen, muss die Verwaltung daraus lernen. Dann werden aus einzelnen Hinweisen Daten, mit denen wir unsere Stadt gezielter verbessern können.
Natürlich müssen wir auch beim Thema Digitalisierung einen Schritt weitergehen. Ein PDF zum Herunterladen ist noch keine digitale Verwaltung. Ein Verfahren ist für mich dann digital, wenn es möglichst vollständig online funktioniert: Antrag, Identifikation, Bezahlung, Bearbeitung und Rückmeldung. Dazu brauchen wir ein einheitliches Onlineportal und durchgängige Prozesse innerhalb der Verwaltung. Hier schließt sich der Kreis – ein physisches und digitales Tor zur Verwaltung.
Gleichzeitig gilt, dass Digitalisierung niemanden ausschließen darf. Wer persönliche Unterstützung braucht, muss sie weiterhin bekommen. Genau dafür will ich eben die zentrale Serviceanlaufstelle. Im Übrigen – wir sollten auch über eine zweite zentrale Anlaufstelle für das gesellschaftliche Rückgrat unserer Stadt nachdenken. Eine Art Ehrenamts- und Servicestelle – als Lotsin durch Verwaltung und Fördermöglichkeiten, als Ansprechpartnerin für Vereine und Initiativen und als Ort, an dem Menschen Unterstützung bekommen oder an die richtigen Einrichtungen vermittelt werden. Hier habe ich eine gut erreichbare Anlaufstelle vor Augen, die Menschen berät, unterstützt und an passendeEinrichtungen weitervermittelt. In Frankfurt gibt es einen zentralen Bereich für Ehrenamt und Stiftungen, Leipzig arbeitet mit einer stadtweiten Anlaufstelle für Engagement. Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt empfiehlt Kommunen ebenfalls dauerhafte hauptamtliche Strukturen, die Ehrenamt koordinieren und unterstützen.
Ich sehe darin einen interessanten Ansatz für Wilhelmshaven. Denn unsere Stadt funktioniert an unzähligen Stellen nur deshalb so gut, weil Menschen Verantwortung übernehmen:
– in Sportvereinen
– in Kultur und sozialen Initiativen
– bei Hilfsorganisationen
– in Nachbarschaften
– in Selbsthilfe und Beratung
– und in vielen weiteren Bereichen.
Dieses Engagement ist gesellschaftliche Infrastruktur.
Beim Thema Verwaltung dürfen wir den „Konzern Stadt“ nicht vergessen. Stadtverwaltung und städtische Gesellschaften erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Aber am Ende arbeiten sie für dieselbe Stadt. Wir müssen zentrale Fragen stellen und transparent beantworten:
– Welche Aufgabe hat eine Gesellschaft?
– Welche Ziele verfolgen wir?
– Was kostet es?
– Und welchen Beitrag leistet sie zur Entwicklung Wilhelmshavens?
Und ganz zum Schluss, fett hervorgehoben – Geld braucht Schwerpunkte und Ziele. Ein Haushalt mit tausenden Seiten und Zahlen ist noch keine transparente Finanzpolitik.
Ich möchte für die großen Aufgaben unserer Stadt konkrete Ziele und Kennzahlen vereinbaren und alle drei Monate berichten:
– Wo stehen wir finanziell?
– Wie entwickelt sich das Personal?
– Was passiert bei unseren großen Investitionen?
– Sind wir im Zeitplan?
– Sind wir im Kostenrahmen?
– Und erreichen wir mit dem eingesetzten Geld tatsächlich das gewünschte Ergebnis?
Für große Projekte gehört für mich künftig ein kompakter Faktencheck dazu: Nutzen, Kosten, Zeitplan und Risiken auf einen Blick. Denn ein Haushalt darf nicht nur erklären, wofür wir Geld ausgeben. Er muss auch zeigen, was wir damit erreichen. Das ist Führungsaufgabe.
All das klingt zunächst nach Organisation, Prozessen und Verwaltungsstrukturen. Aber am Ende geht es um etwas sehr Konkretes:
– Darum, ob jemand wochenlang auf eine Antwort wartet.
– Darum, ob ein Unternehmer weiß, wann über seinen Antrag entschieden wird.
– Darum, ob ein Schlagloch nur gemeldet oder tatsächlich beseitigt wird.
– Darum, ob ein Verein Unterstützung findet.
– Und darum, ob wir rechtzeitig erkennen, wenn ein großes Projekt finanziell oder zeitlich aus dem Ruder läuft.
Deshalb ist dieses Handlungsfeld für mich so wichtig. Eine gute Verwaltung verspricht nicht, dass immer alles sofort geht. Aber sie sagt, was geht, wer zuständig ist, wie lange es dauert – und hält sich daran.
Das ist mein Anspruch an Verwaltung. Und als Oberbürgermeisterin wäre genau das eine meiner wichtigsten Aufgaben.
Abschließend meine Termine diese Woche:
1) Am Mittwoch heißt es wieder „Heimspiel“ – diesmal bei Wilhelmshavener Gastronominnen und Gastronomen. „Eine Branche macht sich auf den Weg“ – diesen Satz habe ich schon einmal in einem anderen Zusammenhang verwendet. Für unsere Gastronomie passt er mindestens genauso gut. Kaum eine Branche musste in den vergangenen Jahren so viele Veränderungen gleichzeitig verkraften: Corona, steigende Energie- und Einkaufspreise, Fachkräftemangel und verändertes Konsumverhalten. Und gleichzeitig merken wir jeden Tag, wie wichtig Gastronomie für eine Stadt ist. Sie schafft Begegnung. Sie belebt Innenstadt und Stadtteile. Sie gehört zum Tourismus. Und sie ist ein Stück Lebensqualität. Darüber möchte ich mit denen sprechen, die jeden Tag dafür sorgen.
2) Am Freitag bin ich bei der Podiumsdiskussion des Jugendparlaments im Kowerk 76. Besonders auf diesen Austausch freue ich mich. Das Jugendparlament hat die Oberbürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten eingeladen, um unter anderem über Finanzen, Infrastruktur, Wirtschaft, Umwelt, Soziales sowie Kinder, Jugend und Inklusion zu diskutieren. Und vor allem sollen junge Wilhelmshavenerinnen und Wilhelmshavener selbst ihre Fragen stellen können. Genau so soll es sein. Wer über die Zukunft einer Stadt spricht, sollte nicht nur über junge Menschen sprechen, sondern mit ihnen.
3) Der Samstag gehört dann der Kultur und unseren Stadtteilen. Ich werde beim Kulturkarussell Kuchen verkaufenund anschließend beim Mühlenfest an der Sengwarder Mühle sein. Zwei sehr unterschiedliche Veranstaltungen – und doch zeigen beide, was Wilhelmshaven ausmacht: Kultur, Engagement, Begegnung und Menschen, die etwas auf die Beine stellen.
4) Und am Sonntag endet die Woche mit der Langen Nacht der Wissenschaft. Für eine Stadt mit Jade Hochschule, Forschungsinstituten, maritimer Wirtschaft, Energieprojekten und vielen hochqualifizierten Arbeitsplätzen ist Wissenschaft längst kein Randthema mehr. Sie gehört zu unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zukunft. Eine ziemlich passende Veranstaltung also, um die letzte Ferienwoche ausklingen zu lassen.
Ich wünsche allen eine gute Woche!
Weitere Neuigkeiten:
Sonntag, 16. August 2026: An diesem Wochenende konnte man gleich zweimal erleben, was Beteiligung und Gemeinschaft in Wilhelmshaven ausmachen.
Freitag, 14. August 2026: Die eigenen Hausaufgaben machen
Sonntag, 09. August 2026: Verwaltung muss funktionieren. Punkt.
Freitag, 07. August 2026: Wer fordert, muss auch fördern