Freitag, 28. August 2026: Es geht um unsere Stadt. Nicht um das System.

Eigentlich hatte ich mir diese Woche anders vorgestellt. Statt weiterer Termine hat mich ein Infekt ins Krankenbett geschickt. Zeit, die vergangenen Podiumsdiskussionen wirken zu lassen.

Dabei beschäftigt mich ein Eindruck: Wir reden viel darüber, wer was schon vor Jahren vorgeschlagen oder versucht hat. Wir hören, welche Partei welche Kontakte nach Hannover oder Berlin besitzt. Und wir diskutieren immer wieder darüber, wer für was zuständig ist – und wer gerade nicht.

Aber bringt uns das weiter? Ich kandidiere, weil Wilhelmshaven jetzt einen Neuanfang braucht.

Erfahrung ist wertvoll. Aber wenn Probleme seit Jahren bekannt sind – warum bestehen sie dann noch?

Unsere Verwaltung ist überlastet, Verfahren dauern zu lange, die Sozialausgaben steigen. Beim Klinikum haben uns Rückschläge Jahre und viel Geld gekostet. Da reicht mir die Botschaft nicht: „Das habe ich schon einmal vorgeschlagen – jetzt versuche ich es noch einmal.“

Deshalb sehe ich es als Vorteil, nicht Teil der bisherigen kommunalpolitischen Strukturen zu sein. Ich kann fragen: Was braucht unsere Stadt jetzt?

Das Rathaus braucht Führung – keine Zuständigkeitsdebatte als Dauerzustand und keine ironischen Spitzen.

Natürlich entscheidet der Rat. Aber eine Oberbürgermeisterin ist nicht nur Verwalterin von Beschlüssen. Sie führt die Verwaltung, entwickelt Lösungen, bereitet Entscheidungen vor, moderiert Interessen und wirbt für Mehrheiten.

Parteikontakte dürfen ebenfalls nicht zum Maßstab werden. Eine Oberbürgermeisterin braucht Netzwerke – unabhängig von politischer Farbe. Sie vertritt keine Parteizentrale, sondern unsere Stadt. Deshalb sehe ich meine parteilose Kandidatur und die Unterstützung unterschiedlicher politischer Kräfte als Stärke. Entscheidend ist nicht, von welcher Partei ein Vorschlag kommt, sondern ob er gut für Wilhelmshaven ist.

Das gilt auch für die rund 50 Millionen Euro zusätzlichen Investitionsmittel. Vereine, Sport, Kultur und Ehrenamt müssen gehört werden. Aber Beteiligung muss ehrlich sein. Wenn wenige Wochen vor einer Wahl Werkstattgespräche stattfinden, bei denen seit Jahren bekannte Bedarfe gesammelt und zugleich „spürbare Anteile“ des Investitionspakets in Aussicht gestellt werden, darf man fragen: Wo ist die gesamtstädtische Priorisierung? Was ist notwendig? Welche Folgekosten entstehen? Was können wir dauerhaft finanzieren?

Vielleicht entsteht Politikverdrossenheit genau dort – wenn dieselben Probleme über Jahre beschrieben, vor Wahlen neue Anläufe angekündigt oder Verantwortung weitergereicht wird.

Wilhelmshaven kann nicht jedes Problem allein lösen. Aber innerhalb unserer Möglichkeiten gibt es viel zu gestalten.

Mein Weg ist deshalb ein anderer: unabhängig hinschauen, Strukturen hinterfragen, Verantwortung bündeln, Menschen zusammenbringen, Entscheidungen ermöglichen und Mehrheiten organisieren.

Denn am Ende geht es nicht darum, wer recht hatte. Es geht darum, dass Wilhelmshaven endlich vorankommt.

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