Freitag, 09. Januar 2026: Zwischen Winter, Wandel und Zusammenhalt
Das neue Jahr beginnt nicht leise. Es beginnt kalt. Mit Schnee, mit Glätte, mit Wind. Mit Situationen, die uns allen abverlangt haben, langsamer zu werden, umzudenken – und aufeinander zu achten.
Der Wintereinbruch am vergangenen Wochenende war außergewöhnlich. So viel Schnee, so viel Glätte, so viele Einschränkungen – ich kenne niemanden, der sich erinnern kann, so etwas das in Wilhelmshaven jemals erlebt zu haben. Natürlich gab es Ärger, Kritik, auch Unmut über nicht geräumte Straßen oder verspätete Busse. Und ja: Kritik gehört dazu. Aber ebenso gehört dazu, die Dimension dieses Wetters ehrlich einzuordnen.
Ich habe hier eine klare Haltung: Man kann für Extremereignisse nicht unbegrenzt Technik, Fahrzeuge und Personal vorhalten. Irgendwann stößt jede Planung an ihre Grenzen. Genau dann zeigt sich, worauf es wirklich ankommt – Rücksichtnahme. Geduld. Zusammenhalt. Dass Menschen einander geholfen haben, dass Nachbarn mit angepackt haben, dass viele Verständnis gezeigt haben – das war mindestens genauso sichtbar wie die Kritik. Und das ist ein starkes Zeichen.
Denn was wir hier erlebt haben, ist kein isoliertes Ereignis.
Eine aktuelle Studie zeigt, dass Wilhelmshaven bundesweit zu den Städten gehört, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind. Sturm, Starkregen, steigende Temperaturen – all das ist keine abstrakte Zukunftsdebatte, sondern längst Teil unserer Realität. Wir leben mit der Natur, nicht neben ihr. Und wir werden lernen müssen, mit diesen Veränderungen umzugehen – gemeinsam, pragmatisch und mit einem klaren Blick auf das Machbare.
Gerade in solchen Zeiten tut es gut, den Blick auch auf das zu richten, was unsere Stadt stark macht. In dieser Woche wurde an ein ganz besonderes Engagement erinnert: Vor 50 Jahren gründeten Eltern in Wilhelmshaven einen Verein, weil sie sich nicht damit abfinden wollten, dass Kinder mit Behinderungen zu wenig Unterstützung erfahren. Aus dieser Initiative ist die Wilhelmshavener Kinderhilfe entstanden – und später mit der WiKi gGmbH eine große, professionelle Organisation mit rund 500 Beschäftigten. Das ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, was Ehrenamt bewirken kann. Damals wurde gekämpft, weil Rechte fehlten. Heute sind viele Dinge gesetzlich geregelt – und trotzdem bleibt das Ziel dasselbe: Menschen dabei zu unterstützen, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen. Der Weg dorthin hat sich verändert. Aus Ehrenamt ist Professionalität geworden. Aber der Kern – Verantwortung füreinander zu übernehmen – ist geblieben.
Und genau mit diesem Geist lohnt sich auch der Blick nach vorne. In dieser Woche ist der Startschuss für den neuen Flächennutzungsplan 2045 gefallen. Ein Plan, der keine trockene Verwaltungsvorlage ist, sondern eine Einladung: Wie wollen wir in Zukunft leben? Wie wollen wir wohnen, arbeiten, unterwegs sein? Wie gehen wir mit Klimarisiken um, mit Mobilität, mit Freiräumen, mit wirtschaftlicher Entwicklung?
Besonders ermutigend war der Auftakt der Bürgerbeteiligung. Offen, konstruktiv, mit echtem Interesse an den Ideen der Menschen. Verwaltung nicht als Selbstzweck, sondern als Dienstleisterin für die Stadtgesellschaft. Genau so verstehe ich Verwaltungsarbeit: Expertise bündeln, Beteiligung ermöglichen, Rahmen setzen – und Politik und Verwaltung so zusammenbringen, dass gute Entscheidungen entstehen können.
Der Jahresanfang ist oft geprägt von Unsicherheit. Von Vorsätzen. Von der Frage, was kommt.
Diese Woche hat gezeigt: Wir werden auch 2026 mit Herausforderungen umgehen müssen. Mit Wetterextremen, mit Wandel, mit begrenzten Ressourcen. Aber wir haben auch viel, worauf wir bauen können: Zusammenhalt, Engagement, Kompetenz – und den Willen, unsere Stadt aktiv zu gestalten.
Mit diesem Vertrauen starten wir ins neue Jahr.
Weitere Neuigkeiten:
Sonntag, 23. August 2026: Zuhören heißt für mich: hingehen. Und Führung heißt: Verantwortung übernehmen.
Freitag, 21. August 2026: Verantwortung heißt vorausdenken. Führung ist mehr als Verwaltung.
Sonntag, 16. August 2026: An diesem Wochenende konnte man gleich zweimal erleben, was Beteiligung und Gemeinschaft in Wilhelmshaven ausmachen.
Freitag, 14. August 2026: Die eigenen Hausaufgaben machen