Freitag, 07. August 2026: Wer fordert, muss auch fördern
Von Wilhelmshaven wird viel erwartet. Dann darf Unterstützung keine Verhandlungssache sein.
Jede Woche bringt Themen mit sich, über die man sich schnell empören könnte. Viel wichtiger ist aber die Frage, welche Schlüsse wir daraus ziehen. So ging es mir in dieser Woche.
Die kurzfristige Schließung der Kfz-Zulassungsstelle hat viele Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen verärgert. Das kann ich gut nachvollziehen. Im Kern ist ein solcher Ausfall inakzeptabel. Wer auf sein Auto angewiesen ist oder ein Fahrzeug zulassen muss, erwartet zu Recht eine funktionierende Verwaltung. Ich kenne die konkreten Hintergründe dieser Ausnahmesituation nicht. Deshalb verbieten sich aus meiner Sicht vorschnelle Schuldzuweisungen. Krankheit und unvorhersehbare Ereignisse können jede Organisation treffen.
Der Maßstab muss trotzdem klar sein. Zentrale Dienstleistungen dürfen nicht vollständig ausfallen. Dafür braucht es organisatorische Vorsorge, Vertretungsregelungen, digitale Prozesse und technische Voraussetzungen, damit eine Verwaltung auch unter außergewöhnlichen Belastungen handlungsfähig bleibt. Das ist keine Kritik an einzelnen Beschäftigten. Es ist ein Anspruch an gute Verwaltungsführung.
Beim Blick in die Zeitungen ist mir in dieser Woche aber noch etwas anderes aufgefallen. Wilhelmshaven muss immer wieder für Dinge kämpfen, die angesichts unserer Bedeutung eigentlich selbstverständlich sein müssten.
Wir sind Deutschlands einziger Tiefwasserhafen. Wir sind Energie- und Logistikdrehscheibe. Wir sind der größte Bundeswehrstandort Deutschlands. Wir sind Offshore-, Wissenschafts- und Industriestandort zugleich. Wer über Versorgungssicherheit, Energiewende, Landesverteidigung oder maritime Wirtschaft spricht, spricht zwangsläufig auch über Wilhelmshaven. Deshalb irritiert es mich, wenn notwendige Investitionen in unseren Standort immer wieder infrage gestellt werden.
Das gilt beispielsweise für die Diskussion um das Maritime Trainingszentrum. Elsfleth hat eine wichtige Rolle in der maritimen Ausbildung. Daran besteht überhaupt kein Zweifel. Das geplante Zentrum in Wilhelmshaven verfolgt aber einen anderen Auftrag. Hier sollen Feuerwehr, Bundeswehr und Havariekommando unter realen Bedingungen ausgebildet werden – genau dort, wo diese Einsatzrealität jeden Tag vorhanden ist. Das gegeneinander auszuspielen, überzeugt mich nicht. Auch das halte ich für den falschen Weg.
Dasselbe gilt für die immer wiederkehrenden Diskussionen über notwendige Investitionen in Wilhelmshaven. Ein aktuelles Beispiel ist die Debatte über eine zweite Zufahrt zum Inneren Hafen. Heute hängt ein Standort von nationaler Bedeutung praktisch von einer einzigen funktionierenden Zufahrt ab. Das mag vor Jahrzehnten vertretbar gewesen sein. Heute ist es das nicht mehr.
Die Sicherheitslage hat sich verändert. Die Anforderungen an kritische Infrastruktur haben sich verändert. Wilhelmshaven hat sich verändert. Deshalb müssen wir ernsthaft darüber sprechen, wie wir unseren Hafen resilienter machen. Ja, das kostet Geld. Aber wenn Bund und Land von der strategischen Bedeutung Wilhelmshavens sprechen, dann müssen sie auch bereit sein, diese Bedeutung mit den notwendigen Investitionen zu unterlegen. Ständige Infragestellungen und Verzögerungen werden dieser Verantwortung nicht gerecht.
Und genau in diesem Gesamtkontext fand ich positiv, dass Marine und Hafenwirtschaft in dieser Woche nicht gegeneinander gearbeitet haben. Es wurde miteinander gesprochen. Argumente wurden ausgetauscht. Es wurde eine Lösung gefunden, die Sicherheit und wirtschaftliche Interessen miteinander verbindet. Genau so entsteht Vertrauen.
Wenn ich auf diese Woche zurückblicke, haben die einzelnen Themen auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun. Für mich erzählen sie jedoch dieselbe Geschichte.
Wilhelmshaven braucht eine Verwaltung, die auch in schwierigen Situationen verlässlich arbeitet.
Wilhelmshaven braucht Investitionen, die unserer tatsächlichen Bedeutung gerecht werden.
Und Wilhelmshaven braucht Menschen, die bei diesen Fragen gemeinsam für unsere Stadt eintreten.
Wahlkampf hin oder her – bei den grundlegenden Interessen Wilhelmshavens sollte es keine parteipolitischen Reflexe geben. Unser gemeinsamer Maßstab muss sein, was unsere Stadt stärker, sicherer und zukunftsfähiger macht. Wer von Wilhelmshaven viel erwartet, muss auch bereit sein, Wilhelmshaven zu fördern. Dafür werde ich mich einsetzen. Jeden Tag.
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