Sonntag, 18. Januar 2026: Verlässlichkeit im Ergebnis statt Perfektion im Verfahren
In dieser Woche tagt nicht nur der Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Haushalt, sondern auch der Rat der Stadt Wilhelmshaven. Auf der Tagesordnung stehen zwei große Zukunftsfragen: der Voslapper Groden Nord und die Standortsuche für das Zentralklinikum. Zwei Themen mit enormer Tragweite für unsere Stadt, unsere Region.
Aber warum bewegt mich das besonders? Im Juni 2025 haben Rat und Kreistag beschlossen, zeitnah eine Standortuntersuchung für ein gemeinsames Zentralklinikum zu starten. Ich begrüße diesen Beschluss sehr. Und doch blicke ich mit Sorge darauf.
Zwei Parteien (Stadt und Landkreis) verfolgen ein gemeinsames Ziel. Das ist gut so. Aber natürlich verfolgt auch jeder verständlicher Weise eigene Interessen. Das ist für mich in Ordnung, wenn beide Seiten sich dies eingestehen und nie das große gemeinsame Ziel aus dem Blick verlieren. Die Frage ist, wie dies möglich ist. Für mich zwingend mit gemeinsam formulierten (politischen) Zielen und Leitgedanken, mit einer klaren Struktur und Verantwortlichkeit sowie einem abgesteckten Zeitrahmen und – und ohne dem ist es m. E. nicht möglich – mit einer neutralen Prozessmoderation von Beginn an. Nur so bleibt das verbindende, das gemeinsame Ziel im Fokus und die individuellen Interessen gewinnen nicht die Oberhand.
Ich kann den zwischenzeitlichen Prozess nicht beurteilen, weil ich nicht Teil davon war und bin. Aber wenn man sich die aktuelle Beschlussvorlage und die Beschlussvorlage aus 06/2025 vor Augen führt, dann erkenne ich keinen übergeordneten geeinten Rahmen und keinen abgestimmten Prozess, dessen Ergebnis die zu entscheidende Matrix darstellt. Ich befürchte, dass Zeit vergangen ist, Erwartungen auseinanderdriften und Akzeptanz fragiler wird.
Neben der Bestärkung des gemeinsamen Ziels erhoffe ich mir aus den Beratungen der Woche Antworten zu einer fokussierten Prozessstruktur. Denn es geht hier nicht um Perfektion im Verfahren, sondern um Verlässlichkeit im Ergebnis. Hier ist für mich auch eine gedankliche Brücke zum Voslapper Groden Nord – große Zukunftsentscheidungen brauchen mehr als korrekte Verfahren – sie brauchen Führung.
Als Kandidatin für das Amt der Oberbürgermeisterin kann ich nicht alles entscheiden. Aber ich kann klar benennen, wofür ich stehe. Deshalb habe ich den Zukunftsplan Wilhelmshaven – Agenda 2034 geschrieben. In den kommenden Wochen werde ich bewusst Chefsachen benennen – nicht als Belehrung, sondern als Führungsangebot.
Das Zentralklinikum ist eine solche Chefsache. Dafür steht zu viel auf dem Spiel. Gerade deshalb hoffe ich, dass der Prozess fokussiert, verbindlich und gemeinsam weitergeführt wird.
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