Freitag, 15. Mai 2026: Es geht vorwärts — aber nicht von allein
Wie Kinderbetreuung, Sicherheit, Innenstadt und Wirtschaft zusammenhängen
Wilhelmshaven bewegt sich. Das sieht man an vielen Stellen. An Investitionen in Sicherheit. An starken Unternehmen. An neuen touristischen Angeboten. An Debatten über Schule, Wohnen und Innenstadt. Aber Bewegung allein reicht nicht. Entscheidend ist, ob daraus Richtung wird. Genau darum ging es in dieser kürzeren Woche.
Zum Tag der Kinderbetreuung war ich gemeinsam mit MdB Anne Janssen in der KiTa WiKi Südstern zu Gast. Im Gespräch mit Leiterin Doris Bröcker wurde sehr deutlich, was Kinderbetreuung jeden Tag leistet und was sie im Alltag zugleich schwierig macht. Uns war wichtig, persönlich Danke zu sagen. Den Erzieherinnen und Erziehern. Den pädagogischen Fachkräften. Den Leitungen. Den Küchenkräften. Den Hausmeisterinnen und Hausmeistern. Allen, die Tag für Tag dafür sorgen, dass Kinder gut betreut, gefördert und begleitet werden. Kinderbetreuung ist so viel mehr als „Aufpassen“. Sie ist Bildung, Beziehung, Vertrauen, Geduld und ganz viel Herz. Sie gibt Kindern einen guten Start und Familien den Rückhalt, den sie im Alltag brauchen.
Ein weiterer Termin führte mich zur Jade Hochschule. Dort ging es um Sicherheitsforschung. Auch das passt zu Wilhelmshaven wie kaum ein anderes Thema. Kritische Infrastrukturen, Gefährdungsszenarien, Resilienz, Cybersicherheit und die Zuverlässigkeit von Sicherheitssystemen sind für unsere Stadt keine abstrakten Fachbegriffe. Sie berühren unseren Alltag und unsere strategische Rolle.
Besonders wichtig war mir in dieser Woche auch die Zukunftsfahrt in Heppens. Bei leckerem Tee wurde ich, durchaus im besten Sinne, auf Herz und Nieren geprüft. Ob ich eine Verwaltung führen kann, war offenbar nicht die größte Sorge. Die eigentlichen Fragen gingen tiefer. Wird es mir gelingen, das Miteinander im Rat und in der Verwaltung zu verbessern? Wird Bürgerbeteiligung wirklich ernst gemeint sein? Oder ist das am Ende nur Gequatsche?
Ich freue mich über solche Gespräche. Denn sie geben mir die Möglichkeit, über das Wie zu sprechen. Nicht nur darüber, was ich erreichen möchte, sondern wie ich arbeiten will. Wie man Verwaltung führt. Wie man Vertrauen aufbaut. Wie man Menschen beteiligt. Wie man Rat, Verwaltung, städtische Gesellschaften, Ehrenamt, Wirtschaft und Bürgerinnen und Bürger wieder besser miteinander ins Gespräch bringt.
Genau das ist für mich ein Kern guter Kommunalpolitik. Nicht nur ankündigen. Nicht nur verwalten. Sondern erklären, zuhören, abwägen und dann verlässlich handeln.
Aus Heppens nehme ich außerdem ein sehr konkretes Thema mit. Es fehlt barrierefreier und bezahlbarer Wohnraum. Das stimmt. Und es betrifft viele Menschen. Ältere, Menschen mit Einschränkungen, Familien, Alleinstehende, Fachkräfte, die vielleicht nach Wilhelmshaven kommen wollen. Wohnen ist eine soziale Frage, aber auch eine Frage der Stadtentwicklung. Unsere Aufgabe als Verwaltung muss es sein, potentielle Investoren gut zu begleiten, Bedarfe klar zu benennen und entsprechende Projekte zu fördern. Ein runder Tisch Wohnen könnte dafür ein sinnvoller Schritt sein. Mit Wohnungswirtschaft, Sozialverbänden, Pflege, Behindertenvertretung, Verwaltung und Politik. Denn wenn wir über Lebensqualität sprechen, müssen wir auch darüber sprechen, ob Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen passenden Wohnraum finden.
Diese kurze Woche hat insgesamt gezeigt, wie viele Themen auf den ersten Blick nebeneinanderstehen und doch miteinander verbunden sind. Kinderbetreuung. Sicherheitsforschung. Die Erweiterung der Bunten Wache. Eine Zukunftsfahrt in Heppens. Die Diskussion um die Marion-Dönhoff-Schule. Die Eröffnung der Saison am Südstrand. Die Tourist-Information. Der Durchbau der Havermonikenstraße. Die Innenstadt. Und mit Turbo-Technik auch ein starkes wirtschaftliches Signal aus unserer Stadt.
All diese Themen erzählen etwas über Wilhelmshaven. Kinderbetreuung zeigt, dass Zukunft bei den Kleinsten beginnt. Sicherheitsforschung und die Erweiterung der Bunten Wache zeigen, dass innere Stärke vorbereitet werden muss, bevor sie gebraucht wird. Die Marion-Dönhoff-Schule zeigt, dass Bildungspolitik mehr sein muss als Gebäudepolitik. Südstrand und Tourist-Information zeigen, wie wichtig Tourismus, Aufenthaltsqualität und gute Orientierung sind. Die Havermonikenstraße zeigt, wie lange Stadtentwicklung dauert und wie wichtig es ist, sie heute klima- und lebensqualitätsbewusst zu denken. Turbo-Technik zeigt, welches wirtschaftliche Können in Wilhelmshaven steckt und wie wichtig es ist, Wertschöpfung vor Ort zu halten.
Man könnte jedes dieser Themen ausführlich betrachten. Für mich führt diese Woche aber vor allem zu einem Punkt. Zur Innenstadt. Die Debatte über Leerstände, die Weiterentwicklung der Tourist-Information, die Eröffnung der Saison am Südstrand und die Frage, wie sich unsere Stadt für Gäste und Einheimische anfühlt, gehören zusammen. Es reicht nicht, einzelne Standorte gegeneinander auszuspielen. Südstrand oder Innenstadt ist die falsche Frage. Die richtige Frage lautet, wie Wilhelmshaven als Ganzes besser funktioniert.
Der Südstrand ist einer unserer stärksten Orte. Er verbindet Wasser, Freizeit, Tourismus, Weltnaturerbe und Lebensgefühl. Es ist richtig, Gäste dort anzusprechen, wo sie sind. Aber wenn Gäste am Südstrand, am Hafen oder am Wasser sind, müssen sie auch Lust bekommen, unsere Innenstadt zu entdecken. Nicht, weil ein Schild dorthin zeigt. Sondern weil der Weg klar ist und weil die Innenstadt selbst etwas bietet. Genau hier liegt die eigentliche Aufgabe. Die Leerstände in der Marktstraße und an anderen Stellen sind nicht einfach nur unschön. Sie sind ein Signal. Innenstädte verändern sich überall. Der klassische Einzelhandel allein wird viele Zentren nicht mehr tragen. Onlinehandel, veränderte Mobilität, neue Freizeitgewohnheiten und andere Erwartungen an Aufenthaltsqualität verändern die Rolle der Innenstadt. Aber daraus folgt nicht, dass Innenstädte keine Zukunft haben. Im Gegenteil. Sie brauchen eine neue Mischung und eine klare städtebauliche Idee.
Wilhelmshaven braucht deshalb einen städtebaulichen Schwerpunkt Innenstadt. Dabei fangen wir nicht bei null an. Es gibt gute Ansätze. Es gibt Konzepte, Überlegungen zu Verbindungswegen, Aktivitäten der Wirtschaftsförderung, touristische Impulse, engagierte Akteurinnen und Akteure aus Handel, Gastronomie, Kultur und Stadtgesellschaft. Genau das ist eine wichtige Basis. Aber auf dieser Basis müssen wir jetzt konsequenter werden. Es reicht nicht, Ideen zu sammeln oder einzelne Maßnahmen nebeneinanderzustellen. Die Innenstadt braucht einen klaren Umbaugedanken. Einen Schwerpunkt, der politisch gewollt, planerisch geführt und in der Umsetzung dauerhaft verfolgt wird.
Aufenthaltsqualität, Grün, Sitzgelegenheiten, Schatten, Sauberkeit, Sicherheit, Wegebeziehungen, Kultur, Gastronomie, Wohnen, Dienstleistungen, Handel und Tourismus müssen stärker zusammengedacht werden. Eine Innenstadt muss heute mehr sein als Einkaufsstraße. Sie muss ein Ort sein, an dem Menschen sich gerne aufhalten. Ein Ort, an dem man sich trifft, etwas erledigt, einkauft, isst, Kultur erlebt, wohnt und einfach bleiben möchte.
Besonders wichtig ist die Verbindung zwischen Innenstadt und Wasser. Wilhelmshaven hat etwas, wovon viele Städte nur träumen können. Wasser, Hafen, Südstrand, Banter See, Museen, Promenade, maritime Orte. Aber diese Stärke muss besser mit der Innenstadt verbunden werden. Wer am Südstrand ist, muss die Innenstadt mitdenken. Wer am Bahnhof ankommt, muss Orientierung finden. Wer in der Marktstraße unterwegs ist, muss spüren, dass Wasser und Stadt zusammengehören.
Dazu braucht es bessere Wegeführungen, gute Beschilderung, digitale Informationen, attraktive Routen und sichtbare Anlässe. Aber vor allem braucht es eine Innenstadt, die selbst attraktiv genug ist, um Menschen zu halten. Niemand geht gerne in eine Innenstadt, nur weil er dorthin gelotst wird. Menschen kommen, wenn sie dort etwas erwarten dürfen.
Deshalb müssen wir die vorhandenen Ansätze bündeln und zu einem echten Stadtumbauprozess weiterentwickeln. Leerstände müssen aktiver bearbeitet werden. Eigentümerinnen und Eigentümer müssen eingebunden bleiben und stärker als Partner der Innenstadtentwicklung verstanden werden. Pop-up-Nutzungen, Zwischennutzungen, Gründerinnen und Gründer, inhabergeführte Geschäfte, Dienstleistungen, soziale Angebote und Kultur können helfen, neue Frequenz zu schaffen. Nicht als Notlösung, sondern als Teil eines neuen Innenstadtverständnisses.
Natürlich kann die Stadt nicht allein entscheiden, welcher Laden wo einzieht. Aber sie kann Rahmenbedingungen schaffen. Sie kann Flächen sichtbar machen. Sie kann vermitteln. Sie kann Förderprogramme nutzen und schaffen. Sie kann Genehmigungen erleichtern. Sie kann den öffentlichen Raum verbessern. Sie kann Aufenthaltsqualität schaffen. Und sie kann Innenstadtentwicklung politisch zur Priorität machen.
Das ist der entscheidende Punkt. Innenstadt darf nicht nebenbei laufen. Wenn Wilhelmshaven als Wohnort, Arbeitsort, Einkaufsort, Ausflugsziel und Tourismusstadt stärker werden will, dann muss die Innenstadt ein Schwerpunkt sein. Städtebaulich. Wirtschaftlich. Sozial. Touristisch. Und politisch.
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