Freitag, 12. Juni 2026: Demokratie braucht Richtung. Warum Zuhören wichtig ist, aber Vertagen allein keine Politik ersetzt.

Beim Heimspiel diese Woche bei der Schlüsselblume saßen mehr als 50 Jahre Erfahrung am Tisch. Beratung, Begleitung, Prävention, Schutz von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Was dort geleistet wird, ist beeindruckend. Und es zeigt auch, wie viel Verantwortung Ehrenamt übernimmt. Ein Vorstand trägt Verantwortung für Mitarbeitende, für Strukturen, für Verlässlichkeit. Oft auf Grundlage von Zuschüssen und Spenden. Dafür habe ich großen Respekt.

Auch die Gespräche bei Meet im Betrieb haben wieder gezeigt, wie wichtig es ist, Politik nicht nur im Sitzungssaal zu denken. Arbeit, Alltag und Wirtschaft versteht man besser, wenn man dort ist, wo sie stattfinden. Dazu folgt jeweils in gesonderten Veröffentlichungen noch mehr.

Besonders beschäftigt hat mich in dieser Woche aber ein Brief eines Bürgers. Er hat mir einen Artikel von Georg Diez aus den „Blättern für deutsche und internationale Politik“ mitgeschickt. Der Titel lautet „Die Zwei-Drittel-Republik“. Es geht darin um die Frage, wie Demokratie wieder handlungsfähiger werden kann. Weniger Parteitaktik. Mehr Zielorientierung. Weniger Lagerdenken. Mehr Verantwortung über Grenzen hinweg. Der Artikel beschreibt zielorientierte Politik als möglichen Weg aus Blockaden und parteipolitischer Verengung.

Genau das trifft mein Verständnis von Kommunalpolitik. Ich trete überparteilich an, weil Wilhelmshaven nicht kleiner gedacht werden darf als Parteigrenzen. Wir brauchen demokratische Mehrheiten für gute Lösungen. Wir brauchen Streit in der Sache. Aber wir brauchen keinen Rückfall in alte Muster, bei denen am Ende wieder verzögert, vertagt und zerredet wird.

Ein aktuelles Beispiel ist Klein Wangerooge am Banter See. Dort liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, der Tourismus, Aufenthaltsqualität und Natur miteinander verbinden könnte. Naturnahe Stellplätze, moderne Sanitäranlagen, ein Bade- und Waschhaus, bessere Gastronomie, eine geordnete Entwicklung am Wasser. Natürlich müssen Fragen geklärt werden. Natürlich brauchen Natur- und Artenschutz Gewicht. Natürlich muss öffentlich bleiben, was öffentlich bleiben soll.

Aber genau dafür gibt es ein Planverfahren. Ein Aufstellungsbeschluss ist noch keine Baugenehmigung. Er ist der Start für Prüfung, Beteiligung, Gutachten und Abwägung. Wer schon diesen Start vertagt, obwohl eine überregionale Strategie längst Tourismus, Lebensqualität, Weltnaturerbe und nachhaltige Entwicklung zusammen denkt, sendet das falsche Signal.

Wilhelmshaven und Friesland haben mit der „Grünen Region am Meer“ eine gemeinsame Strategie erarbeitet. Sie beruht ausdrücklich auf Beteiligung von Politik, Verwaltung, Bürgerinnen und Bürgern sowie weiteren gesellschaftlichen Akteuren. Sie nennt Lebensqualität, Gesundheit und Tourismus, Wertschöpfung, Weltnaturerbe und Transformation als gemeinsame Handlungsfelder. Und auch mein Zukunftsplan folgt diesem Kompass. Tourismus soll ganzjährig sichtbar und attraktiv werden. Naturschutz soll nicht gegen Entwicklung ausgespielt werden. Verwaltung, Rat und Stadtgesellschaft sollen an einem Kurs arbeiten.

Deshalb ist für mich klar. Bürgerbeteiligung ist wichtig. Gespräche sind wichtig. Umweltfragen sind wichtig. Aber Beteiligung darf nicht zum Vorwand werden, um Entscheidungen immer weiter nach hinten zu schieben.

Neue Politik heißt nicht, dass alle immer einer Meinung sind. Neue Politik heißt, Ziele ernst zu nehmen, Verfahren sauber zu führen und dann Verantwortung zu übernehmen. Wilhelmshaven braucht keine Politik des Abwartens. Wilhelmshaven braucht eine Politik, die zuhört, prüft, abwägt und entscheidet.

P.S. Wer den Artikel nachlesen möchte: https://www.blaetter.de/ausgabe/2026/februar/die-zwei-drittel-republik

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