07. November 2025 Zwischen Innovation und Haushaltsbasis – Wilhelmshaven im Fokus
Diese Woche zeigte wieder, wie vielfältig Wilhelmshaven ist – zwischen Hafenklang, Zukunftstechnologien und handfesten Fragen zur finanziellen Basis unserer Stadt.
Dienstag – Hafenstadt bleibt Hafenstadt.
Lärm, Licht, Gerüche am Großen Hafen: ein Dauerbrenner, der Emotionen weckt. Das Bürgergespräch hat bestätigt, wie wichtig Dialog und Maß sind. Eine Hafenstadt darf lebendig bleiben – mit Musik, Schiffen, Industrie und Leben am Wasser. Rücksicht ja, Stillstand nein. Wilhelmshaven gehört ans Meer, das Meer nach Wilhelmshaven – urban, echt, kantig. Und es gibt viele, die mit Leidenschaft dafür eintreten, dass das so bleibt.
Mittwoch – Marine und Stadt.
Ein Gespräch mit Konteradmiral a. D. Karsten Schnemeerverstehennt des DMI, bot wertvolle Einblicke in die Rolle der Marine und ihre Verbindung zu unserer Stadt. Entstanden aus einer Zukunftshaltestelle, setzt sich der Gesprächsfaden fort – #meerverstehen bekommt hier eine ganz eigene Bedeutung.
Donnerstag – 50 Jahre NORDFROST.
Ein starkes Jubiläum und ein Symbol für das, was hier möglich ist: unternehmerischer Mut, Vision und Anstrengungsbereitschaft. NORDFROST zeigt, wie man aus Wilhelmshaven heraus Zukunft baut – ein echtes Aufbruchssignal.
Donnerstagabend – Innovationspreis der Stadt Wilhelmshaven.
Zum zweiten Mal wurden Menschen ausgezeichnet, die zeigen, dass hier mehr entsteht, als man uns oft zutraut. „Innovation made in WHV“ – von globaler Bildung über Sicherheitstechnik bis hin zur Wasserstoffforschung. Die Botschaften des Abends klangen nach:
„Neues entsteht nicht aus dem Grau des Alltags.“
„Wenn du es dir vorstellen kannst, kannst du es machen.“
Wilhelmshaven wird oft unterschätzt – die Preisträger zeigen das Gegenteil:
– Kategorie 1 (Start-ups/Projektteams): Lehrerinnen und Lehrer ohne Grenzen e. V. – globale Bildungsnetzwerke und konkrete Unterstützung vor Ort.
– Kategorie 2 (Bestandsunternehmen): PZT GmbH – DIN SPEC 91489 als erstes objektives Prüfverfahren für Brandbegrenzungsdecken; mehr Sicherheit „Made in Wilhelmshaven“.
– Sonderpreis „Green Transformation“: Institut für nachhaltige Energieversorgung der Jade Hochschule – H₂-O₂-Brenner, der in Sekunden emissionsfreien Dampf liefert und Netze stabilisiert.
Nachricht der Woche – Gewerbesteuer aus Offshore-Wind
Wilhelmshaven kann ab 2026 direkt von den Windparks vor unserer Küste profitieren – mit einem jährlichen nicht unwesentlichen zweistelligen Millionenbetrag. Das ist die überfällige Anerkennung unserer Rolle als Energiehafen – von LNG über Wasserstoff bis Offshore-Wind.
Einordnung und Verantwortung:
– Diese Mittel stärken unsere Handlungsfähigkeit, vor allem für Infrastruktur, Bildung und Stadtentwicklung.
– Gleichzeitig bleiben strukturelle Defizite und strukturelle Herausforderungen im städtischen Haushalt bestehen. Die Kostenexplosionen bei übertragenen Aufgaben wirken weiter – Bund und Land müssen ihren Verpflichtungen nachkommen.
– Wilhelmshaven hat strategische Bedeutung – die Entscheidung trägt dem Rechnung. Jetzt mit dem Finger auf WHV zu zeigen („die haben ja jetzt“) greift zu kurz. Angesichts des weiteren Energieumschlags an der Hafenkante kann das nur ein erster Schritt sein.
– -Unsere Seite der Medaille: Hausaufgaben machen, strukturelle Defizite nachhaltig aufarbeiten, in Generationen denken, keine Klientelpolitik.
Eine neue Finanzbasis ist kein Freifahrtschein, sondern Verantwortung.
Wir brauchen langfristige Planung, wirtschaftliches Denken und begründete Entscheidungen. Die gemeinsam mit Friesland geschaffenen Beratungs- und Strategiestrukturen geben dafür einen guten Rahmen.
Wilhelmshaven steht vor einer Chance – nutzen wir sie mit Vernunft, Mut und Weitblick.