07. Dezember 2025: Zwischen Jahresendspurt, politischer Klarheit und Dankbarkeit
Der 2. Advent ist da, das Jahr geht langsam zu Ende und gefühlt passiert alles gleichzeitig. Jahresabschluss, Weihnachtsvorbereitungen, Familie, Termine. Viele sind stark eingebunden. Deshalb lohnt es sich, kurz innezuhalten und auf das zu schauen, was uns als Stadt zusammenhält.
In dieser Wochenvorschau geht es nicht um große Termine, sondern um zwei Anlässe, die in den letzten Tagen zum Nachdenken angeregt haben: den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen und den Internationalen Tag des Ehrenamtes. Zwei Themen, die aktueller und kommunalpolitisch relevanter kaum sein könnten – und die sehr viel darüber sagen, wie wir als Stadt miteinander leben wollen.
Beim Thema Menschen mit Behinderungen geht es aktuell um die Zukunft der Tagesbildungsstätten in Niedersachsen. Sie leisten seit Jahren wichtige Arbeit für Kinder mit hohem Unterstützungsbedarf. Gerichte haben entschieden, dass die bisherige Finanzierung über die Kommune rechtswidrig ist. Die Einrichtungen sollen in Förderschulen überführt werden – aber es gibt keinen klaren Plan, keine Übergangsregelung, keine sichere Finanzierung ab 2027 und keine Lösung für das erfahrene Personal. Das ist politisch nicht verantwortbar.
Meine Erwartung an das Land ist eine verlässliche Übergangsregelung und echte Zusammenarbeit mit Kommune und Träger. Für Wilhelmshaven ist für mich klar: Wenn das Land keinen Zeitplan liefert, müssen wir als Stadt die richtigen Schritte gehen. Und dazu gehört der Wille, diesen Weg gemeinsam inklusiv zu gestalten, mit klaren Qualitätsstandards und dem Ziel, Kindern neue Türen zu öffnen. Politik, die auf dem Rücken der Schwächsten zögert, verfehlt ihren Auftrag. Politik, die ihnen Sicherheit gibt, macht eine Stadt stark. Genau dafür setze ich mich ein.
Der Tag des Ehrenamtes erinnert uns daran, wie viele Menschen sich in Wilhelmshaven engagieren: im Sport, in Vereinen, in der Kultur, in der Nachbarschaft, bei Feuerwehr und Rettungsdiensten. Ehrenamt ist keine Nebensache, es ist ein Stück Rückgrat dieser Stadt. Als Oberbürgermeisterin möchte ich, dass die Stadt das Ehrenamt nicht nur dankbar ansieht, sondern strategisch stärkt. Mein Zukunftsplan ist hier sehr klar – Ehrenamt ist keine Randnotiz – es ist kommunale Zukunftssicherung:
- Dazu gehört ein Ehrenamtspreis, der Gesichter sichtbar macht und Vorbilder stärkt.
- Dazu gehören Bürgerfonds für die Quartiere, damit Menschen direkt entscheiden können, was in ihrem Umfeld wichtig ist.
- Dazu gehören Räume, weniger Bürokratie, mehr Unterstützung.
- Dazu gehören Partnerschaften, die Ehrenamt als Teil der Daseinsvorsorge begreifen.
Die Orange Days, die am 10. Dezember enden, fügen dem noch eine weitere Dimension hinzu: Sie erinnern daran, dass Engagement nicht nur praktisches Tun ist, sondern auch Haltung gegen Gewalt, gegen Ungleichheit, gegen gesellschaftliche Blindstellen. Eine Stadt, die Ehrenamt versteht, versteht auch, was es heißt, Verantwortung füreinander zu übernehmen.
Lassen Sie uns zum 2. Advent vor Augen führen, dass wir in einer Zeit leben, die Vielen vieles abverlangt. Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb beide Themen – Inklusion und Ehrenamt – so eng zusammengehören. Weil wir Schwächere schützen und Engagierte stärken. Weil wir Unsichtbares sichtbar machen. Weil wir füreinander da sind.
Eine starke Stadt erkennt man nicht an großen Worten, sondern an ihrem Miteinander. Daran will ich arbeiten – mit Klarheit, mit Verantwortung und mit dem Ziel, dass Wilhelmshaven ein Ort bleibt, an dem Menschen sich aufgehoben fühlen.
Ich wünsche Ihnen und Euch einen ruhigen zweiten Advent.