14. Dezember 2025: Was nachwirkt – und was sich ändern muss
Der dritte Advent ist da. In Wilhelmshaven wirkt jedoch eine Nachricht vom Freitag deutlich nach: der Insolvenzantrag von Vynova Wilhelmshaven.
Diese Nachricht ist mehr als ein einzelnes Ereignis. Sie steht für eine Entwicklung, die sich über Jahre abgezeichnet hat und in den vergangenen Monaten immer deutlicher benannt wurde. Die Situation der energieintensiven Industrie, die Frage der Wettbewerbsfähigkeit, die Belastung durch Energiepreise – all das ist nicht neu. Die Warnungen waren da.
Gerade deshalb wünsche ich mir jetzt Ehrlichkeit in der Politik. Und auch Selbstkritik. Wer Verantwortung getragen hat und trägt, kann nicht so tun, als käme diese Entwicklung aus heiterem Himmel. Niemand macht alles richtig. Aber politische Verantwortung heißt, aus Entwicklungen Konsequenzen zu ziehen, Fehlannahmen zu erkennen und Kurskorrekturen offen zu benennen.
Viele Erstreaktionen in solchen Situationen folgen bekannten Mustern. Solidarität zu bekunden ist wichtig – aber es reicht nicht. Pauschale Formeln und einstudierte Reflexe überzeugen nicht mehr. Die Menschen können sehr wohl einordnen, wie komplex solche Lagen sind. Sie verstehen, dass Politik abwägen muss. Was sie nicht mehr hören wollen, sind Phrasen. Was sie erwarten, sind vernünftige Analysen, ehrliche Antworten und die Bereitschaft, Dinge auch zu korrigieren, wenn sie sich als falsch erwiesen haben.
Haltestellen der vergangenen Wochen
Genau diese Haltung ist mir in den vielen Gesprächen der vergangenen Wochen immer wieder begegnet. Ob bei der Haltestelle Zukunft, bei Heimspielen oder bei der Fahrt in die Zukunft: Die Menschen schauen differenziert auf ihre Stadt. Sie loben, was gut läuft. Sie benennen Sorgen. Und sie reagieren sensibel darauf, wenn Politik vor allem mit sich selbst beschäftigt wirkt.
Viele wünschen sich weniger Inszenierung und mehr Substanz. Weniger Streit um Profile, mehr Konzentration auf Inhalte. Eine Politik, die zuhört, einordnet und erklärt – und die nicht so tut, als gäbe es für alles einfache Antworten.
Die Haltestelle Zukunft am gestrigen Samstag war dafür sinnbildlich. Sie war ruhiger als andere Termine – und gerade deshalb geprägt von intensiven Gesprächen und einem spürbaren Miteinander. Viele Unterstützerinnen und Unterstützer waren da, haben sich ausgetauscht, zugehört, miteinander diskutiert. In diesen Begegnungen wird deutlich: Der Wunsch nach einer anderen politischen Kultur wächst. Und er wird getragen.
Gerade im Unterstützerkreis entsteht derzeit etwas Neues. Unterschiedliche Hintergründe, unterschiedliche Perspektiven – und zugleich ein gemeinsames Verständnis: dass es klare Rollen braucht, um unsere Stadt voranzubringen. Die Trennung zwischen Verwaltungswahlkampf und Ratswahlkampf ist dabei kein technisches Detail, sondern Ausdruck von Respekt vor Verantwortung. Konkurrenz gehört zur Demokratie. Entscheidend ist, dass sie eingebettet bleibt in ein verbindendes Ziel: die Entwicklung unserer Stadt.
Dieser Zusammenhalt zeigt, worum es mir geht. Veränderung beginnt nicht mit großen Worten, sondern mit Haltung, mit Vertrauen und mit der Bereitschaft, Dinge anders – und besser – zu machen. Genau das war meine Intention. Und genau darüber freue ich mich sehr.
Die Nachricht von Vynova wirkt nach. Sie mahnt uns, wirtschaftliche Entwicklungen ernst zu nehmen – und politische Verantwortung neu zu denken. Nicht defensiv, nicht reflexhaft, sondern ehrlich, selbstkritisch und handlungsfähig.
Ich wünsche einen besonnenen dritten Advent – mit Raum für Klarheit, gute Gespräche und den Mut, Dinge besser zu machen.
P.S.: In der kommenden Woche stehen Gespräche zur Hafenentwicklung an. Außerdem findet ein Bürgerdialog des CDU-Ortsverbandes Ost am 16.12. um 18 Uhr im Inseleck statt. All die Einflüsse und Impulse werde ich weiter in meine Agenda und meine Perspektive zur Zukunft unserer Stadt abwägend aufnehmen.