Sonntag, 25. Oktober 2026: Noch sieben Tage. Und Velma hat noch ein paar Fragen.

Vor einer Woche machte ein Bild die Runde, auf dem ich mit Velma aus Scooby-Doo verglichen wurde: „Velma aus Scooby-Doo wird Wilhelmshavens neue Oberbürgermeisterin.“ Ich musste ziemlich lachen. Und zugegeben, eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich nicht ganz von der Hand weisen. Rote Haare, Brille – und offenbar eine gewisse Vorliebe für gelbe Strickjacken.

Und dann habe ich mir Velma noch einmal genauer angeschaut. Sie ist neugierig, stellt jede Menge Fragen, schaut lieber zweimal hin und gibt sich mit einfachen Antworten nicht unbedingt zufrieden. Manchmal verbeißt sie sich auch ziemlich in eine Sache. Und wenn sie ihre Brille verliert, braucht sie die Hilfe ihrer Freunde. Ich fürchte, da gibt es tatsächlich die eine oder andere Gemeinsamkeit …

Und vielleicht ist das für die kommenden acht Jahre gar kein so schlechter Ausgangspunkt. Fragen stellen, genau hinschauen, nicht gleich aufgeben und wissen, dass man nicht alles alleine schaffen kann. Auch wenn ich hoffe, dass wir in Wilhelmshaven nicht ganz so viele ungelöste Rätsel vorfinden werden.

Heute in genau einer Woche beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt. Dann werde ich mein Amt als Oberbürgermeisterin unserer Stadt antreten. Und je näher dieser Moment rückt, desto häufiger denke ich an den Wahlabend zurück. Drei Gefühle waren damals sofort da. Unendliche Dankbarkeit. Riesige Freude. Und Demut vor der Aufgabe.

Das Erstaunliche ist, dass sich daran bis heute nichts verändert hat. Wann immer ich für einen Moment innehalte, sind diese drei Gefühle sofort wieder da. Natürlich kenne ich das, auf etwas hinzufiebern. Sich auf einen besonderen Tag zu freuen, aufgeregt zu sein und irgendwann festzustellen, dass dieser Tag plötzlich da ist. Aber diesmal ist es anders.

Denn normalerweise geht es bei solchen Momenten um etwas, das vor allem mein eigenes Leben verändert. Diesmal geht es um sehr viel mehr. Um mich, ja. Aber eben auch um die Menschen, die in Wilhelmshaven leben.

Manche sagen mir, dass nach meinem Wahlergebnis die Erwartungen besonders hoch seien. Mag sein. Aber wären sie bei einem schlechteren Ergebnis wirklich geringer? Und würde ich selbst dann weniger von mir erwarten?

Ich glaube nicht. Wie groß diese Aufgabe ist, wurde mir gerade in den vergangenen beiden Tagen noch einmal sehr deutlich. Bis gestern war ich in Hannover bei einem Workshop des Niedersächsischen Städtetages für neu gewählte Oberbürgermeister/innen, und Bürgermeister/innen. Zwei Tage #druckbetankung. Rechtliche Grundlagen, Zuständigkeiten, Pflichten, Verfahren und jede Menge Dinge, die man wissen oder zumindest beachten sollte. Mein Kopf war irgendwann ziemlich voll.

Zum Glück fiel zwischendurch immer wieder dieser beruhigende Satz: „Das müssen Sie im Detail gar nicht wissen. Dafür haben Sie Ihre Fachabteilungen. Das können unsere Verwaltungen in Niedersachsen.“

Und dann fiel der Name Wilhelmshaven. Nicht nur einmal. Mal ging es um unsere besondere finanzielle Situation, mal um das Klinikum, mal um die Gewerbesteuer aus dem Offshorebereich. Und plötzlich hieß es: „Ach, Wilhelmshaven. Da sollten Sie unbedingt noch mit unserer Spezialistin sprechen.“

Ich habe in diesen zwei Tagen einiges gelernt. Unter anderem, dass unsere Stadt offenbar auch landesweit für die eine oder andere besondere Herausforderung bekannt ist. Und dass meine Liste mit Menschen, die ich unbedingt kennenlernen sollte, inzwischen eine beachtliche Länge erreicht hat.

Aber es gab noch eine andere Seite. Abends, beim gemeinsamen Essen, kamen Menschen auf mich zu: „Wilhelmshaven ist eine tolle Stadt.“ Oder: „Sie haben dort herausragende Möglichkeiten.“ Und schließlich dieser Satz: „Ihre Stadt hat Zukunft.“

Ich glaube, genau zwischen diesen beiden Perspektiven liegt die Aufgabe der kommenden acht Jahre. Die Schwierigkeiten kennen, ohne sich von ihnen lähmen zu lassen. Die Möglichkeiten sehen, ohne die Schwierigkeiten kleinzureden. Und gemeinsam daran arbeiten, dass aus Möglichkeiten Wirklichkeit wird.

Und spätestens nach diesen beiden Tagen weiß ich – Velma hätte in Wilhelmshaven vermutlich einiges zu tun. Aber langweilig würde ihr ganz bestimmt nicht. 😉

Vorher liegt allerdings noch eine ganz besondere Woche vor mir. Bei der WiKi stehen die letzten Übergaben an. Ich werde mein Büro ausräumen, Dinge zusammenpacken und mich von Menschen verabschieden, mit denen ich über viele Jahre gerne zusammengearbeitet habe.

Das fällt mir nicht leicht. Mir sind diese Menschen ans Herz gewachsen. Und auch das, was wir gemeinsam aufgebaut und bewegt haben. Dass ich freiwillig gehe, macht den Abschied nicht unbedingt einfacher. Vielleicht sogar ein bisschen schwerer. Denn ich hätte ja bleiben können.

Gleichzeitig wartet im Rathaus bereits ein anderes Büro auf mich. Frisch gestrichen. Im Moment noch ziemlich leer. Am Montag sollen die Möbel wieder hineinkommen. Und irgendwann in dieser Woche werden auch meine persönlichen Dinge dort ihren Platz finden.

Aber ich glaube, dass ein Büro nicht dadurch zu meinem Büro wird, dass mein Name an der Tür steht oder meine Sachen darin liegen. Es wird mein Büro, wenn dort Menschen ein- und ausgehen. Wenn wir miteinander nachdenken, diskutieren, um gute Lösungen ringen, Entscheidungen vorbereiten und Verantwortung übernehmen. Wenn wir uns gemeinsam anstrengen, manchmal auch unterschiedlicher Meinung sind. Und wenn dort viel gelacht wird.

Dann wird aus einem Raum ein Ort, an dem wir gemeinsam etwas bewegen – mein Büro.

Noch sieben Tage. Ich bin aufgeregt. Ich freue mich riesig. Ich weiß um die Verantwortung. Und ich bin unendlich dankbar, dass mir die Menschen dieser Stadt diese Aufgabe anvertraut haben.

Und was Velma angeht: Die hat am Ende meistens eine Lösung gefunden. Nicht, weil sie schon zu Beginn alles wusste. Sondern weil sie genau hingeschaut, die richtigen Fragen gestellt und miteinander nach Antworten gesucht hat. Das ist doch eigentlich ein ganz guter Anfang.

Also, Wilhelmshaven. Noch sieben Tage. Dann gehen wir gemeinsam auf Spurensuche…

Weitere Neuigkeiten:

  • Sonntag, 25. Oktober 2026: Noch sieben Tage. Und Velma hat noch ein paar Fragen.

  • Freitag, 23. Oktober 2026: Zwei Klassen. Zwei Perspektiven. Eine gemeinsame Zukunft.

  • Sonntag, 18. Oktober 2026: Noch 14 Tage. Und die Zukunft hat sich schon gemeldet.

  • Freitag, 09. Oktober 2026: Ein Dankeschön. Ein besonderer Tag. Und ein Buch voller Wünsche.